Islam konforme Geldanlage, Geld und Islam, Geld und Scharia
Islamkonforme Geldanlage gewinnt für die westlichen Banken immer mehr an Bedeutung. Scharia-Gelehrte müssen über richtige und falsche Geschäfte entscheiden. Sparbuch, klassische Lebensversicherung, Hypothekendarlehen und mehrere andere Finanzprodukte sind für gläubige Muslime einfach verboten. Rund 1,2 Milliarden Muslime besitzen aber nach Schätzungen über 200 bis 500 Mrd. Dollar. Die Fachleute für islam-konforme Geldanlage wissen, dass es ein großer Wachstumsmarkt ist. Spricht man über Geld und Islam, Geld und Scharia, so weiß man, dass es nicht nur um reiche Ölscheichs geht. Es zeichnet sich immer deutlicher auch der wohlhabende Mittelstand aus.
Dieser Markt muss bedient werden, und dazu hat das größte Geldinstitut Deutschlands bestimmte Finanzprodukte entwickelt. Die Bank ist immer mehr in der Region tätig. So hat man zum Beispiel in der Türkei das Brokerhaus Bender Securities jetzt vollständig übernommen.
Geld und Islam – wie sieht der Weg zum Erfolg aus? Die islamkonforme Geldanlage ist nicht einfach, es dauert für Muslime oft sehr lange, bis sie zu etwas kommen. Die islamkonforme Geldanlage verlangt auch einiges Wissen. Die islamischen Gesetze beinhalten zahlreiche Verbote, die unbedingt beachtet werden müssen. Zum Beispiel ist das Zinsverbot bekannt, man darf auch auf ein Risiko nicht eingehen. Islam erlaubt, das Geld in Aktienanlagen zu investieren, das ist, sozusagen, in Ordnung. Es gibt da aber einiges zu beachten: die jeweiligen Unternehmen dürfen nicht mit Schweinefleisch oder Zinsen, mit Alkohol, Tabak was zu tun haben. Möchte man es anschaulicher erklären, so würde dieses Beispiel passend sein: schenkt eine Fluggesellschaft ständig Alkohol auf ihren Flügen aus, so darf in die Aktien dieses Unternehmens auf keinen Fall investiert werden.
Es gibt keine zentrale, sozusagen, globale islamische Behörde, die offiziell alles regelt. Die islamischen Finanzinstitutionen lassen sich hauptsächlich vom religiösen Konsortium beraten. Und dieses interpretiert den Koran, die Lebensgeschichte "Sunnah", die Aussprüche "Hadiths". Die Texte sind fast 1400 Jahre alt. Jetzt müssen sie aber auf moderne Kompatibilität geprüft werden. Das ist jedoch für die islamischen Rechtsgelehrten "Imam" keine leichte Aufgabe. Die Interpretationen sind häufig von Fall zu Fall unterschiedlich. Mittlerweile gibt es eine sehr umfangreiche Literatur über die islamkonforme Geldanlage, aber es fehlt ein einheitliches und übergreifendes Instrumentarium.
Die klassischen Lebensversicherungen werden auch nicht empfohlen, weil sie als unsicher und risikovoll betrachtet werden. Bei den islamkonformen Aktienfonds gehören oft statt 20 000 nur ungefähr 300 Unternehmen zu dem Anlageuniversum. Die Teilhabe an den Unternehmen ist islamkonform. Aber die Dividende, die von Erfolg der Beteiligten spricht, ist immer erlaubt.
Nicht jedes Produkt wird als islamkonform bezeichnet. Ob es eine islamkonforme Geldanlage sei, entscheiden die sogenannten Scharia-Kontrollgremien. Das Geld und Scharia sind eng miteinander verbunden. Das Anlage-Modell muss die nötigen Kriterien erfüllen. Das Geld und Islam sind eine ganze Wissenschaft. Es gibt islamische Rechtsgelehrte, die ein umfangreiches Finanzwissen haben. Aber es sind nicht so viele, mehrere sind im Mittleren und Fernen Osten zu finden, aber auch in Großbritannien, in den USA. Ohne sie kann keine Bank ein Produkt vermarkten.
Es wurden in den vergangenen Jahren Produkte entwickelt, die alle Regeln des Korans beachten, aber den Banken trotzdem noch Gewinne einbringen. So kennt man die islamischen Regeln über Konsumentenkredite, die gibt es nicht. Möchte ein Kunde doch ein Auto kaufen, so erledigt das die Bank für ihn. Danach verkauft sie es an den Kunden weiter, aber mit einem Aufschlag.
In einer islamischen Geschäftswelt ist jeder sehr fantasievoll. Die islamkonformen großen Versicherungsgesellschaften teilen mit allen ihren Kunden sowohl Gewinne als auch Verluste. Die Kunden zahlen ständig in einen Fonds ein. Dieser investiert die Deckungskapitalien schariakonform, dann schüttet er die Gewinne aus. Somit ist die Gesellschaft nun der Verwalter und verdient ordentlich an der Gebühr für dieses Geschäft.
Die islamkonformen Gesellschaften haben ein Problem: sie müssen in einer säkularisierten Welt Anlagemöglichkeiten finden, die den islamischen Glaubenssätzen entsprechen. Die konventionellen Bank- und Versicherungsbeteiligungen kommen ja wenig in Frage. Genauso steht es auch mit den Unternehmen, die ihr Geld mit Schweinefleisch oder Glücksspiel, Sexprodukten, Alkohol oder Tabak verdienen. Den „Dow Jones Islamic Market Index“ gibt es seit 1999. Er gibt den islamischen Kaufleuten – offenbar mit Erfolg – einen guten Rat.
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